Rationale Zahlen
Eine Zahl heißt rational, wenn man sie als Bruch a / b schreiben kann. Dabei müssen a und b ganze Zahlen sein und b darf nicht 0 sein.
Eine überraschende Entdeckung: Egal, wie lange du suchst – du findest keinen Bruch aus zwei ganzen Zahlen, der genau √2 ergibt. Hier erfährst du Schritt für Schritt, warum.
Bevor wir etwas beweisen, klären wir das Ziel. In der Mathematik gibt es Zahlen, die sich als Bruch schreiben lassen – und Zahlen, bei denen das unmöglich ist.
Eine Zahl heißt rational, wenn man sie als Bruch a / b schreiben kann. Dabei müssen a und b ganze Zahlen sein und b darf nicht 0 sein.
Eine Zahl heißt irrational, wenn sie sich nicht als solcher Bruch darstellen lässt – egal welche ganzen Zahlen man für Zähler und Nenner auswählt.
Wir beweisen nicht einfach, dass √2 schwer als Bruch zu finden ist. Wir zeigen: Es kann überhaupt keinen passenden Bruch geben.
√2 ist die positive Zahl, deren Quadrat 2 ergibt. Probiere Näherungswerte aus: Durch mehr Nachkommastellen landest du immer näher an 2. Aber ist das schon ein Beweis?
Merke: Noch so gute Näherungen beweisen nicht, dass eine Zahl rational oder irrational ist.
Du musst dafür keine neue Rechenart lernen. Zwei Dinge aus dem Schulstoff reichen: Brüche kürzen und gerade von ungeraden Zahlen unterscheiden.
Bei einem Bruch kann man Zähler und Nenner oft durch dieselbe Zahl teilen. Dadurch ändert sich der Wert nicht.
Den Bruch 3/4 kann man nicht weiter kürzen. Er ist vollständig gekürzt.
Falls √2 irgendein Bruch wäre, könnten wir diesen Bruch so lange kürzen, bis es nicht mehr geht. Der Zahlenwert bliebe dabei gleich.
Darum dürfen wir im Beweis direkt einen vollständig gekürzten Bruch annehmen.
Gerade Zahlen sind durch 2 teilbar (2, 4, 6, …). Ungerade Zahlen sind es nicht (1, 3, 5, …). Quadrat heißt: eine Zahl mit sich selbst multiplizieren.
5 ist ungerade. Auch 5² = 25 ist ungerade.
Eine ungerade ganze Zahl lässt sich immer als 2k + 1 schreiben, zum Beispiel 7 = 2 · 3 + 1. Dabei ist k eine ganze Zahl.
Wenn wir diese ungerade Zahl quadrieren und die Klammer ausmultiplizieren, erhalten wir:
(2k + 1)² = 4k² + 4k + 1 = 2 · (2k² + 2k) + 1Das ist eine gerade Zahl plus 1, also ungerade. Darum kann eine ungerade Zahl niemals ein gerades Quadrat haben. Anders gesagt: Ist das Quadrat gerade, war die Zahl gerade.
Die Formel musst du für den restlichen Beweis nicht auswendig können – wichtig ist die Aussage.
Jetzt bauen wir die Argumentation wie eine Kette auf. Lies die Schritte der Reihe nach: Jeder einzelne nutzt nur das, was wir vorher gelernt haben.
Unser Trick heißt „Widerspruchsbeweis“. Wir tun zuerst so, als wäre √2 ein Bruch. Wenn diese Annahme zu etwas Unmöglichem führt, wissen wir: Die Annahme war falsch.
Dann müsste es zwei ganze Zahlen a und b geben, sodass √2 genau der Bruch a/b ist. Wir nehmen den Bruch gleich vollständig gekürzt an. Dabei ist b ≠ 0.
Wir nehmen beide Seiten zum Quadrat. Denn (√2)² ist einfach 2. Dann multiplizieren wir beide Seiten mit b², damit der Bruch verschwindet.
Die Zahl 2b² ist gerade, weil sie „2 mal eine ganze Zahl“ ist. Also muss auch a² gerade sein. Und wir wissen: Wenn a² gerade ist, ist auch a gerade.
Jede gerade ganze Zahl lässt sich als 2 · k schreiben, wobei k wieder eine ganze Zahl ist. Zum Beispiel 8 = 2 · 4 oder 14 = 2 · 7.
Wir setzen a = 2k in die Gleichung aus Schritt 2 ein. Dann quadrieren wir 2k. Anschließend teilen wir beide Seiten durch 2.
In b² = 2k² steht rechts wieder „2 mal eine ganze Zahl“. Deshalb ist b² gerade. Mit derselben Regel aus Schritt 3 folgt: b ist gerade.
Am Anfang haben wir festgelegt: a/b ist vollständig gekürzt. Jetzt zeigen die Rechnungen: a und b sind beide gerade. Dann könnte man Zähler und Nenner aber durch 2 teilen!
Damit ist bewiesen: √2 kann nicht als Bruch aus zwei ganzen Zahlen geschrieben werden. Also ist √2 irrational. ∎
Drei kurze Fragen – ohne Notendruck. Wähle jeweils eine Antwort und prüfe danach deine Lösungen.
Wenn du den Beweis später in der Schule erklären sollst, reichen diese Gedanken als roter Faden.
Ja, aber es ist einfach: „Irrational“ heißt hier nur, dass die Zahl nicht als Quotient zweier ganzer Zahlen geschrieben werden kann.
Weil man aus ein paar Nachkommastellen nicht schließen kann, dass es keinen exakten Bruch gibt. Der Beweis muss alle möglichen Brüche auf einmal ausschließen – und genau das tut unser Widerspruchsbeweis.
Der angenommene Bruch sollte nicht mehr kürzbar sein. Unsere Rechnung erzwingt aber, dass Zähler und Nenner beide gerade sind und damit doch noch durch 2 geteilt werden könnten. Beides gleichzeitig geht nicht.
Diese beiden Gleichungen sind der Kern: a² = 2b² und nach Einsetzen von a = 2k b² = 2k². Aus beiden folgt jeweils, dass die betreffende Zahl gerade ist.